Zum Inhalt springen

Finanzen

Haus an die Kinder überschreiben: Was dabei zählt

Ein Haus zu übertragen geht nur über die Notarin oder den Notar, mit Eintrag im Grundbuch. Behältst du dir ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch vor, sinkt der Wert der Schenkung — und damit oft die Steuer. Grunderwerbsteuer fällt bei Verwandten in gerader Linie nicht an. Die Kosten richten sich nach dem Wert des Hauses; bei 400.000 Euro liegt allein die Beurkundung bei 1.570 Euro netto.

Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: Bürgerliches Gesetzbuch, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Grunderwerbsteuergesetz, Gerichts- und Notarkostengesetz, Vervielfältiger-Tabelle des Bundesfinanzministeriums auf Grundlage der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes

Auf einen Blick

Stimmt

  • Übertragung an Kinder und Enkel ist von der Grunderwerbsteuer ausgenommen
  • Ein vorbehaltenes Nutzungsrecht mindert den steuerpflichtigen Erwerb
  • Nießbrauch erlaubt auch das Vermieten

Stimmt nicht

  • Ein Wohnrecht und ein Nießbrauch sind dasselbe
  • Für die Schenkung eines Hauses an Kinder gibt es eine Familienheim-Befreiung
Beurkundung
2,0 Gebühr, mindestens 120 Euro
Eintragung des Eigentümers im Grundbuch
1,0 Gebühr
Freibetrag je Kind
400.000 Euro, alle zehn Jahre
Ausgleich unter Geschwistern
nur mit ausdrücklicher Anordnung

Wie läuft die Überschreibung ab?

Über die Notarin. Ein Vertrag, mit dem sich jemand verpflichtet, Eigentum an einem Grundstück zu übertragen, muss notariell beurkundet werden. Die Auflassung — die Einigung über den Eigentumswechsel — erklären beide Seiten gleichzeitig vor dem Notar. Danach wird der neue Eigentümer ins Grundbuch eingetragen. Ein Vertrag am Küchentisch trägt hier nicht.

Im selben Vertrag wird üblicherweise geregelt, was sonst noch gelten soll: ein Wohnrecht oder ein Nießbrauch, Pflegeabreden, Rückforderungsrechte, der Ausgleich unter Geschwistern. Diese Punkte gehören in den Entwurf, den die Notarin vorab schickt.

Wohnrecht oder Nießbrauch: Wo liegt der Unterschied?

In einem Satz: Das Wohnungsrecht erlaubt, selbst zu wohnen. Der Nießbrauch erlaubt zusätzlich, zu vermieten und die Miete zu behalten.

Wohnungsrecht und Nießbrauch im Vergleich
MerkmalWohnungsrechtNießbrauch
Inhaltein Gebäude oder einen Teil davon unter Ausschluss des Eigentümers als Wohnung benutzendie Nutzungen der Sache ziehen, also auch vermieten
Wer darf mit einziehenFamilie sowie Personen, die zur Bedienung und Pflege nötig sindergibt sich aus dem Nutzungsrecht
Ausübung überlassennur, wenn das ausdrücklich gestattet istohne besondere Gestattung möglich
Erhaltung und LastenErhaltung im wirtschaftlichen BestandErhaltung, dazu öffentliche Lasten und laufende Zinsen

Der Nießbrauch erlischt mit dem Tod des Berechtigten, so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Beide Rechte werden ins Grundbuch eingetragen; erst dort wirken sie gegenüber jedem späteren Eigentümer.

Welches der beiden Rechte zu einer Familie passt, hängt davon ab, was nach einem Auszug gelten soll — etwa wenn ein Umzug ins Heim ansteht und das Haus leer stünde. Diese Frage gehört in den Notartermin, solange der Entwurf noch offen ist.

Wie senkt das Wohnrecht den Wert der Schenkung?

Besteuert wird die Bereicherung des Erwerbers. Behält sich der Übergeber ein Nutzungsrecht vor, bekommt das Kind das Haus nur belastet — der Wert des Rechts mindert deshalb den steuerpflichtigen Erwerb. Die frühere Vorschrift, die diesen Abzug beim vorbehaltenen Nießbrauch sperrte, ist weggefallen.

Gerechnet wird der Kapitalwert des Rechts: Jahreswert mal Vervielfältiger. Der Jahreswert einer Wohnung bemisst sich nach den üblichen Mittelpreisen des Verbrauchsorts, also der ortsüblichen Miete. Nach oben gibt es einen Deckel — höchstens der Wert des Hauses geteilt durch 18,6. Der Vervielfältiger kommt aus einer Tabelle des Bundesfinanzministeriums, die auf der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes beruht.

Vervielfältiger für Bewertungsstichtage ab 1. Januar 2026
Vollendetes LebensalterMännerFrauen
5014,97715,711
5513,98314,873
6012,79813,832
6511,44412,583
709,93811,107
758,2829,393
806,5097,490

Ein Beispiel, selbst gerechnet: Haus 400.000 Euro, Vater 65 Jahre, ortsübliche Jahresmiete 12.000 Euro. Der Deckel läge bei 21.505 Euro, die Miete liegt darunter und zählt damit voll. Kapitalwert: 12.000 mal 11,444, also 137.328 Euro. Beim Kind kommen rechnerisch 262.672 Euro an — unter dem Freibetrag von 400.000 Euro. Die genaue Rechnung für den eigenen Fall macht das Finanzamt oder die Steuerberatung.

Stirbt der Berechtigte früh, wird die Steuer auf Antrag nach der wirklichen Dauer berichtigt. Bei einem Alter über 60 bis 65 Jahre gilt das, wenn das Recht nicht länger als sieben Jahre bestand, über 65 bis 70 Jahre sechs Jahre, über 70 bis 75 Jahre fünf Jahre.

Eine Befreiung, die es hier nicht gibt: Das Familienheim ist nur bei einer Schenkung unter Ehepartnern steuerfrei, sonst nur beim Erben. Für die Schenkung eines Hauses an Kinder zu Lebzeiten greift sie nicht.

Was kostet die Überschreibung beim Notar?

Die Gebühren stehen im Gerichts- und Notarkostengesetz und richten sich nach dem Geschäftswert, in der Regel dem Verkehrswert des Hauses. Für Notar- und Grundbuchsachen gilt die Gebührentabelle B.

Gebührensätze und Tabellenwerte
PostenSatz bei Geschäftswert 400.000 €
Beurkundung des Vertrags2,01.570,00 €
Vollzug0,5392,50 €
Eintragung des Eigentümers im Grundbuch1,0785,00 €

Damit liegt der Kern bei rund 2.750 Euro netto. Dazu kommen die Umsatzsteuer auf den Notarteil, Auslagen, die Betreuungsgebühr und die Eintragung des Wohnrechts oder Nießbrauchs ins Grundbuch. Die Summe fällt also höher aus — wie viel genau, steht im Kostenvorschlag, den die Notarin vor dem Termin erstellt. Eine Mindestgebühr von 15 Euro gilt in jedem Fall.

Gebühr nach Tabelle B, Auszug
Geschäftswert bisGebühr (1,0)
200.000 €435,00 €
260.000 €535,00 €
350.000 €685,00 €
410.000 €785,00 €
500.000 €935,00 €
600.000 €1.095,00 €
800.000 €1.415,00 €

Für lebenslange Nutzungsrechte setzt das Kostenrecht einen eigenen Wert an: als Jahreswert 5 Prozent des Werts der Sache, wenn sich nichts anderes feststellen lässt, und bei einem Alter über 50 bis 70 Jahre die ersten zehn Jahre. Das ist die Rechnung für die Notarkosten — mit der steuerlichen Bewertung hat sie nichts zu tun.

Zum Ausprobieren

Notarkosten-Rechner: was die Überschreibung kostet

Der Verkehrswert, also was das Haus beim Verkauf bringen würde. Schulden werden nicht abgezogen.

Ergebnis

Rund 3.238 Euro für Notar und Grundbuch

Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung.

Fällt Grunderwerbsteuer an?

Bei Kindern und Enkeln nicht. Das Grunderwerbsteuergesetz nimmt den Erwerb durch Personen aus, die mit dem Veräußerer in gerader Linie verwandt sind; Stiefkinder stehen Abkömmlingen gleich, deren Ehepartner ebenfalls. Auch der Erwerb durch den eigenen Ehepartner ist ausgenommen.

Geschwister sind nicht in gerader Linie verwandt. Eine Übertragung vom Bruder an die Schwester fällt deshalb nicht unter diese Ausnahme. Und wenn Miterben ein Grundstück aus dem Nachlass zur Teilung übernehmen, ist auch das ausgenommen — das ist der Fall „Geschwister aus dem Nachlass auszahlen“.

Welche Zehnjahresfristen laufen mit?

Drei Fristen, die oft in einen Topf geworfen werden, aber verschiedenen Zwecken dienen.

Drei Fristen, drei Wirkungen
FristWorum es geht Wirkung nach zehn Jahren
SchenkungsteuerZusammenrechnung mehrerer Zuwendungen derselben Personältere Zuwendungen fallen aus der Rechnung, der Freibetrag steht wieder zur Verfügung
PflichtteilsergänzungHinzurechnung der Schenkung zum Nachlass zugunsten Pflichtteilsberechtigterschmilzt jährlich um ein Zehntel ab, nach zehn Jahren bei null (nicht bei vorbehaltenem Nießbrauch)
Rückforderung bei BedürftigkeitAnspruch des Schenkers, den der Sozialhilfeträger überleiten kannausgeschlossen, wenn die Bedürftigkeit erst nach zehn Jahren eintritt

Für ein Haus ist bei der Pflichtteilsergänzung die Bewertung entscheidend: Maßgeblich ist der Wert zum Zeitpunkt des Erbfalls, höchstens aber der Wert zur Zeit der Schenkung. Bei steigenden Immobilienpreisen wirkt das anders, als viele erwarten.

Wie werden Geschwister ausgeglichen?

Nicht von selbst. Das ist der Punkt, an dem die meisten Familien überrascht werden. Als gesetzliche Erben müssen Kinder unter sich nur ausgleichen, was sie als Ausstattung erhalten haben — und auch das nur, soweit nichts anderes bestimmt wurde. Andere Zuwendungen, und dazu gehört die übliche Hausübertragung, sind nur auszugleichen, wenn der Übergeber die Ausgleichung bei der Zuwendung angeordnet hat.

Drei Wege, die auseinandergehalten werden müssen:

  • Ausgleichung unter Geschwistern. Nur mit ausdrücklicher Anordnung, und zwar im Übergabevertrag, nicht später.
  • Anrechnung auf den Pflichtteil. Ebenfalls nur, wenn sie bei der Zuwendung bestimmt wird.
  • Pflichtteilsergänzung. Greift auch ohne jede Anordnung, mit der jährlichen Abschmelzung über zehn Jahre.

Welche Formulierung im Vertrag welchen Weg auslöst, ist die Arbeit der Notarin. Sie kennt die Sätze, die eine Anordnung wirksam machen — und die, die nur gut klingen.

Häufige Fragen

Was kostet es, ein Haus an die Kinder zu überschreiben?

Bei einem Wert von 400.000 Euro liegen Beurkundung, Vollzug und Grundbucheintrag bei rund 2.750 Euro netto. Dazu kommen Umsatzsteuer auf den Notarteil, Auslagen und die Eintragung eines Wohnrechts oder Nießbrauchs. Den genauen Betrag nennt der Kostenvorschlag der Notarin.

Was ist der Unterschied zwischen Wohnrecht und Nießbrauch?

Das Wohnungsrecht erlaubt, selbst in der Wohnung zu leben. Der Nießbrauch geht weiter: Er erlaubt auch, das Haus zu vermieten und die Miete zu behalten. Beide werden ins Grundbuch eingetragen, beide mindern den Wert der Schenkung.

Fällt bei der Überschreibung an Kinder Grunderwerbsteuer an?

Nein. Der Erwerb durch Verwandte in gerader Linie ist ausgenommen, also Kind und Enkel, ebenso Stiefkinder. Zwischen Geschwistern gilt diese Ausnahme nicht.

Kann ich das Haus an nur ein Kind überschreiben?

Ja, das Eigentum lässt sich an ein einzelnes Kind übertragen. Ob und wie die anderen später ausgeglichen werden, hängt davon ab, was im Übergabevertrag ausdrücklich angeordnet wird. Ohne Anordnung gibt es keine Ausgleichung unter Geschwistern.

Muss ich zehn Jahre warten, bis das Haus aus dem Pflichtteil heraus ist?

Die Hinzurechnung zum Nachlass sinkt jedes Jahr um ein Zehntel und ist nach zehn Jahren bei null. Das gilt nicht, wenn sich die Eltern einen Nießbrauch vorbehalten: Dann beginnt die Frist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gar nicht erst. Bei einem Wohnrecht läuft sie in der Regel. Maßgeblich ist der Tag, an dem das Haus übertragen wurde. Für die Schenkungsteuer läuft eine eigene Zehnjahresfrist, für die Rückforderung bei Bedürftigkeit eine dritte.

Zuletzt geprüft am 29.09.2026

Kennst du jemanden, den das betrifft? Schick den Artikel weiter.

Sven Schultz, Gründer von gen50

Gründer von gen50

Sven Schultz

Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.

Schreib mir

Mehr zum Thema