Sicherheit
Alarmanlage fürs Haus: Lohnt sie sich, und was bringt sie wirklich?
Eine Alarmanlage verhindert keinen Einbruch. Das sagt die Polizei selbst: Sie meldet, sie hält niemanden auf. An erster Stelle steht die Mechanik an Fenstern und Türen, die Anlage kommt danach. Wer beides hat, erhöht das Risiko für den Täter, entdeckt zu werden. Wer nur die Anlage hat, hat ein Haus, das sich genauso leicht öffnen lässt wie vorher.
Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: Polizeiliche Kriminalprävention, Polizeiliche Kriminalstatistik, Verband der Versicherer, KfW
Auf einen Blick
Stimmt
- Die Polizei berät vor dem Kauf kostenlos und ohne Produktinteresse
- Einbruchschutz wird weiter gefördert, über einen Kredit
- Auch Mieterinnen und Mieter kommen an diese Förderung
Stimmt nicht
- Den KfW-Zuschuss von „bis zu 1.600 Euro“ gibt es noch
- Eine Kameraattrappe reicht als Schutz
- Die Alarmanlage ersetzt gesicherte Fenster
- Wohnungseinbrüche 2025
- 82.920, Versuche eingerechnet
- Im Versuch stecken geblieben
- 44,9 Prozent
- Aufklärungsquote
- 14,1 Prozent
- KfW-Kredit 159
- bis 50.000 Euro je Wohneinheit
Was empfiehlt die Polizei zuerst?
Mechanik. Die Polizeiliche Kriminalprävention formuliert es so: Mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle. Gemeint sind Fenster, Terrassen- und Balkontüren, die Haustür, die Kellerfenster — also die Stellen, an denen jemand ansetzt.
Für Neubauten empfiehlt die Polizei geprüfte Fenster und Türen nach DIN EN 1627 ab Widerstandsklasse RC 2. Für ein Haus, das schon steht, gibt es Nachrüstsysteme nach DIN 18104, Teil 1 für Aufschraubbares, Teil 2 für Systeme im Rahmen. Das sind die Nummern, die bei einer Beratung fallen, und es lohnt sich, sie zu kennen.
Ist eine Alarmanlage wirklich sinnvoll?
Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Die Polizei schreibt über Einbruchmeldeanlagen: Sie verhindern zwar keinen Einbruch, allerdings erhöht sich für den Einbrecher durch den Alarm an eine Hilfe leistende Stelle das Risiko, entdeckt zu werden. Mehr wird da nicht versprochen. Das ist ungewöhnlich ehrlich für ein Thema, auf dem so viel Werbung liegt.
Wichtig ist der zweite Teil des Satzes: Alarm an eine Hilfe leistende Stelle. Ein Signal, das im leeren Haus schellt und sonst nirgends ankommt, bringt wenig. Die Frage vor dem Kauf ist deshalb nicht, wie laut die Sirene ist, sondern wer den Alarm bekommt und was diese Person dann tut.
Eines noch, weil es oft durcheinandergeht: 44,9 Prozent der Wohnungseinbrüche blieben 2025 im Versuch stecken. Seit Jahren liegt dieser Anteil bei fast der Hälfte. Polizei und Versicherer bringen das mit besserer Sicherungstechnik insgesamt in Verbindung. Ein gemessener Wirkungsnachweis für Alarmanlagen im Besonderen ist das nicht, und als solcher wird er hier auch nicht verkauft.
Wie groß ist das Risiko überhaupt?
2025 zählte die Polizei 82.920 Wohnungseinbruchdiebstähle einschließlich der Versuche, ein Jahr davor waren es 78.436. Vor der Pandemie, 2019, standen 87.145 Fälle in der Statistik. Die Zahlen gehen also wieder nach oben, liegen aber unter dem Stand von damals.
Aufgeklärt wurde 2025 jeder siebte Fall, die Quote liegt bei 14,1 Prozent. Bei den Versicherern lag der durchschnittliche Schaden je gemeldetem Einbruch 2025 bei 3.850 Euro — das ist eine Zahl aus der Statistik der Hausratversicherer, sie zählt nur versicherte Fälle. Was dabei nicht in Euro steht: das Gefühl, dass jemand in den Schubladen war.
| Kennzahl | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Fälle einschließlich Versuche | 78.436 | 82.920 |
| davon im Versuch stecken geblieben | — | 44,9 % |
| Aufklärungsquote | — | 14,1 % |
| versicherte Schäden insgesamt | 350 Mio. Euro | 380 Mio. Euro |
Die ersten drei Zeilen stammen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, die letzte vom Verband der Versicherer. Beide zählen unterschiedlich, deshalb stehen die Summen hier getrennt.
Was kostet eine gute Alarmanlage fürs Haus?
Dazu gibt es keine neutrale, aktuelle Zahl, und deshalb steht hier keine. Alles, was im Netz als Preisspanne für 2026 kursiert, kommt von Firmen, die einbauen, herstellen oder vermitteln. Die letzten unabhängigen Tests sind Jahre alt, ihre Preise taugen nicht mehr.
Was sich sagen lässt: Anlagen mit hohem Schutzniveau werden von Fachleuten eingebaut und liegen im vierstelligen Bereich. Alles Genauere hängt an der Größe des Hauses, der Zahl der Öffnungen und daran, ob der Alarm irgendwo aufläuft. Ein Angebot ohne vorherige Besichtigung ist deshalb geraten.
Wer berät, ohne etwas zu verkaufen?
Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen. Die gibt es in jedem Bundesland, die Beratung ist kostenlos und produktneutral — dort wird nichts verkauft. Über die Seite k-einbruch.de findest du die Stelle in deiner Nähe, dazu Verzeichnisse von Errichterfirmen und Herstellern.
Die Polizei rät ausdrücklich, dieses Gespräch vor den Kauf einer Alarmanlage zu legen, nicht danach. In manchen Ländern kommen die Beraterinnen und Berater auch ins Haus und sehen sich die Fenster an. Ob das bei dir gilt, sagt dir die Stelle am Telefon.
Und zu den Attrappen, weil die Frage immer kommt: Die Polizei hält sie für keinen ausreichenden Schutz. Zum rechtlichen Ärger, den eine Attrappe machen kann, steht mehr auf unserer Seite zur Videoüberwachung.
Gibt es noch eine Förderung für Einbruchschutz?
Den Zuschuss gibt es nicht mehr. Das KfW-Produkt „Einbruchschutz — Investitionszuschuss (455-E)“ ist eingestellt, die alte Produktseite leitet dauerhaft weiter. Wer irgendwo „bis zu 1.600 Euro Zuschuss“ liest, liest über ein Programm, das es nicht mehr gibt. Diese Angabe steht 2026 immer noch auf vielen Anbieterseiten.
Geblieben ist der Kredit „Altersgerecht Umbauen (159)“. Gefördert werden darüber bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit, beantragt wird er über die Hausbank, nicht bei der KfW selbst. Den Zinssatz legt die KfW am Tag des Antragseingangs fest, deshalb steht hier keiner.
Gefördert werden unter anderem einbruchhemmende Türen, Nachrüstsysteme für Fenster, Gitter, Rollläden sowie Einbruch- und Überfallmeldeanlagen. Für Meldeanlagen verlangt die KfW eine Bestätigung der Fachfirma. Auch Mieterinnen und Mieter können den Kredit beantragen; die KfW empfiehlt vorher eine Modernisierungsvereinbarung mit der Vermieterseite.
Ob ein Kredit über zwanzig oder dreißig Jahre zu einem abbezahlten Haus passt, ist eine andere Frage. Die beantwortet niemand außer dir.
Häufige Fragen
Welchen Einbruchschutz empfiehlt die Polizei?
Zuerst Mechanik an allen Öffnungen: Fenster, Terrassen- und Balkontür, Haustür, Kellerfenster. Für Neubauten geprüfte Bauteile ab Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627, im Bestand Nachrüstsysteme nach DIN 18104. Eine Alarmanlage kommt danach, als Ergänzung.
Verhindert eine Alarmanlage einen Einbruch?
Nein. Nach Auffassung der Polizei verhindert eine Einbruchmeldeanlage keinen Einbruch. Sie erhöht das Risiko für den Täter, entdeckt zu werden, weil der Alarm an eine Stelle geht, die Hilfe holt. Ohne gesicherte Fenster und Türen steht sie allein.
Fördert die KfW eine Alarmanlage?
Über den Kredit 159 ja, Einbruch- und Überfallmeldeanlagen stehen in der Maßnahmenliste. Nötig ist eine Bestätigung der Fachfirma. Den früheren Zuschuss 455-E gibt es nicht mehr.
Bringt eine Kameraattrappe etwas?
Als Schutz nach Auffassung der Polizei nicht. Dazu kommt: Eine Attrappe, die aussieht, als filme sie das Nachbargrundstück, kann zivilrechtlich Ärger machen, auch wenn nie ein Bild entsteht.
Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine Sicherheits- oder Rechtsberatung.
Zuletzt geprüft am 24.09.2026
Gründer von gen50
Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.
Schreib mir