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Sicherheit

Telefonbetrug erkennen: Schockanruf, Enkeltrick, falsche Polizisten

Steht die 110 als Absender im Display, ist die Anzeige manipuliert. Immer. Die Polizei ruft nie unter der Notrufnummer an, Dienststellen melden sich mit ihrer Ortsnetznummer — das sagt die Bundesnetzagentur, und es ist das zuverlässigste Erkennungsmerkmal, das es bei diesem Thema gibt. Alle drei Maschen laufen sonst gleich ab: Schock, Druck, Übergabe. Wer den Ablauf einmal kennt, erkennt ihn am Telefon wieder.

Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: Bundesnetzagentur, Landeskriminalamt Niedersachsen, Polizei Bayern, Verbraucherzentrale

Auf einen Blick

Stimmt

  • Die 110 im Display ist in jedem Fall gefälscht
  • Die Polizei verlangt am Telefon niemals Bargeld oder Wertsachen
  • Auflegen ist erlaubt und beendet die Sache

Stimmt nicht

  • Eine angezeigte Nummer beweist, wer anruft
  • Der Rückruf über die Anrufliste führt zur echten Dienststelle
Drei Phasen
Kontakt, Druck, Handlung
Seit 1. Dezember 2022
Anbieter müssen Verbindungen mit vorgetäuschter 110 abbrechen (§ 120 TKG)
Verkehrsdaten
werden nach etwa sieben Tagen gelöscht

Wie läuft so ein Anruf ab?

In drei Phasen, und die Reihenfolge ist bei allen Varianten dieselbe.

Kontakt. Jemand meldet sich als Polizeibeamter, Staatsanwalt oder Angehöriger und stellt sofort etwas Schockierendes in den Raum: ein Einbruch in der Nachbarschaft, ein tödlicher Unfall, eine Festnahme. Beim Enkeltrick ist der Einstieg eine Frage — rate mal, wer dran ist — und der Rest ergibt sich aus der Antwort.

Druck. Das Gespräch wird lang, oft stundenlang, manchmal wird durchgestellt an einen zweiten angeblichen Beamten. Dazu kommt das Gebot, mit niemandem zu sprechen, auch nicht mit der Bank. Alles hänge daran, dass jetzt mitgemacht wird.

Handlung. Ein Abholer kommt an die Tür, oder das Geld wird an einen vereinbarten Ort gebracht. Danach reißt der Kontakt ab.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen beschreibt, worauf die Täter dabei zielen: eine Stressreaktion, die das nüchterne Abwägen ausschaltet. Nicht Leichtgläubigkeit. Wer stundenlang unter Druck gesetzt wird, entscheidet anders als am Küchentisch, und genau darauf ist die Masche gebaut.

Die digitale Variante ist dieselbe Mechanik ohne Stimme: eine Nachricht über WhatsApp oder SMS, angeblich vom Kind, angeblich mit neuer Nummer, und am Ende steht eine Überweisung.

Woran erkenne ich falsche Polizisten?

An der Nummer im Display und an dem, was verlangt wird.

Die Nummer zuerst. Erscheint die 110, ist die Anzeige manipuliert — Notrufabfragestellen rufen immer mit den Ortsnetzrufnummern der einzelnen Dienststellen an. Seit dem 1. Dezember 2022 gilt § 120 TKG: Bestimmte Nummern dürfen gar nicht als Absender signalisiert werden, darunter 110 und 112, und alle beteiligten Anbieter müssen die Verbindung dann abbrechen. Dass trotzdem Anrufe durchkommen, liegt an Wegen aus dem Ausland. Eine angezeigte Nummer beweist deshalb nichts.

Und der Inhalt: Der typische Vorwand ist ein Hinweis auf einen geplanten Einbruch, Geld und Wertsachen müssten in Sicherheit gebracht und von einem Beamten in Zivil abgeholt werden. Das ist der Punkt, an dem die Sache kippt. Die Polizei fordert am Telefon niemals Bargeld oder Wertsachen, und sie schickt niemanden, der beides abholt.

Was echt klingt und was daran nicht stimmt
Am TelefonWas wirklich gilt
„110“ oder „Polizei“ im DisplayDie Anzeige ist gefälscht, die Polizei ruft nie so an
„Ihr Geld ist zu Hause nicht sicher, ein Kollege holt es ab“Die Polizei holt kein Bargeld und keine Wertsachen ab
„Sprechen Sie mit niemandem, auch nicht mit Ihrer Bank“Ein Geheimhaltungsgebot gibt es bei echten Ermittlungen so nicht
„Rate mal, wer dran ist“Der Anrufer nennt seinen Namen selbst, oder er hat keinen
„Mama, ich habe eine neue Nummer“Über die alte Nummer zurückrufen, nicht über die neue

Was tue ich, wenn so ein Anruf kommt?

Auflegen. Das ist die Empfehlung der Verbraucherzentrale und des Landeskriminalamts Niedersachsen, und sie ist ohne Einschränkung gemeint: bei verdächtigen Anrufen sofort auflegen. Eine Erklärung schuldest du niemandem.

Danach selbst zurückrufen, über eine Nummer, die du selbst heraussuchst — aus dem eigenen Telefonbuch, von der Website der Dienststelle. Nicht über die Rückruftaste und nicht über die Anrufliste, weil dort die Nummer der Täter steht. Im Zweifel die 110 selbst wählen. Die Polizei Bayern formuliert es genau so.

Drei Dinge, die den Rest erledigen:

  • Nicht raten, wer anruft. Den Anrufer sich selbst nennen lassen.
  • Am Telefon nichts über Vermögen, Konten oder Wertsachen sagen. Keine Kontodaten, keine Passwörter.
  • Niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben, auch nicht an angebliche Beamte.

Hilfreich ist außerdem, das vorher einmal in der Familie zu besprechen und ein Codewort zu vereinbaren, das nur intern bekannt ist. Das LKA Niedersachsen schlägt dazu eine Merkkarte neben dem Telefon vor. Wer im Telefonbuch steht, kann den Vornamen abkürzen lassen — aus „Herta Schmidt“ wird „H. Schmidt“ —, weil die Täter ihre Listen auch aus Telefonbüchern ziehen. Eine Möglichkeit, kein Muss.

Wo melde ich das, und lohnt sich das überhaupt?

Ja, und zwar schnell, weil die Verkehrsdaten der Anbieter nach etwa sieben Tagen gelöscht werden.

Anzeige geht bei der örtlichen Dienststelle oder online über polizei.de, in den meisten Ländern rund um die Uhr. Unabhängig davon nimmt die Bundesnetzagentur Beschwerden über manipulierte Rufnummern entgegen. In das Formular gehören deine eigene Rufnummer, die angezeigte Absendernummer, dein Anbieter, Datum, Uhrzeit und eine kurze Schilderung. Die Behörde kann Rufnummern sperren lassen, und in hartnäckigen Fällen kommt eine Fangschaltung in Betracht.

Wie groß das Ganze ist, lässt sich bundesweit schwer sagen — belastbare Gesamtzahlen liegen dafür nicht vor. Für ein einzelnes Bundesland gibt es sie: In Niedersachsen zählte das Landeskriminalamt 2025 insgesamt 1.658 Fälle mit Tatort im Land, davon 355 vollendet, mit einem Schaden von 8,451 Millionen Euro. Das ist ein Land von sechzehn, hochrechnen lässt sich daraus nichts.

Warum trifft es nicht nur die Angerufenen?

Weil der Anruf oft bei den Eltern ankommt und das Gespräch danach in der ganzen Familie stattfindet. Die Täter suchen gezielt nach Haushalten, in denen jemand allein zu Hause ist und niemand kurz Rücksprache halten kann.

Das lässt sich aushebeln, ohne jemanden zu bevormunden: eine Absprache, dass bei Geldforderungen am Telefon immer erst in der Familie zurückgerufen wird. Kein Kontrollanruf, sondern eine Abmachung in beide Richtungen. Das Codewort von oben gehört mit dazu.

Häufige Fragen

Ruft die Polizei mit der 110 an?

Nein. Notrufabfragestellen rufen mit den Ortsnetzrufnummern der einzelnen Dienststellen an. Erscheint die 110 im Display, ist die Anzeige in jedem Fall manipuliert. Seit Dezember 2022 müssen Anbieter solche Verbindungen sogar abbrechen.

Was tue ich nach einem Schockanruf?

Auflegen und selbst zurückrufen, über eine Nummer, die du selbst heraussuchst, im Zweifel über die 110. Anzeige bei der Dienststelle oder online über polizei.de. Manipulierte Nummern zusätzlich der Bundesnetzagentur melden, am besten innerhalb einer Woche.

Ist ein Schockanruf eine Straftat?

Ja, auch der Versuch. Angezeigt wird er bei jeder Polizeidienststelle oder online. Dass kein Geld geflossen ist, ändert daran nichts, und die Anzeige hilft, Anrufe zusammenzuführen.

Wie kommen die Täter an meine Nummer?

Aus öffentlich zugänglichen Verzeichnissen und gehandelten Adressdaten. Ein abgekürzter Vorname im Telefonbuch macht die Auswahl für sie schwerer, ausschließen lässt sich der Anruf damit nicht.

Was ist mit „Hallo Mama“ über WhatsApp?

Dieselbe Masche, nur schriftlich: neue Nummer, dringende Bitte um eine Überweisung. Über die alte, gespeicherte Nummer zurückrufen. Eine Stimme am Telefon klärt das in dreißig Sekunden.

Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine Rechtsberatung.

Zuletzt geprüft am 24.09.2026

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Sven Schultz, Gründer von gen50

Gründer von gen50

Sven Schultz

Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.

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