Gesundheit
Mittelmeerdiät: Was sie bewirkt und was auf den Teller kommt
Die Mittelmeerdiät ist eine Art zu essen: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Olivenöl, mehrmals pro Woche Fisch, wenig Fleisch, Wurst und Süßes. Kalorien zählt dabei niemand. In der spanischen PREDIMED-Studie mit 7.447 Menschen zwischen 55 und 80, die ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko hatten, gab es in knapp fünf Jahren rund 30 Prozent weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztode zusammen als unter fettarmer Kost, vor allem weniger Schlaganfälle.
Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: PREDIMED-Studie (New England Journal of Medicine 2018), Cochrane-Review 2019, Women’s Health Study, Auswertungen im BMJ 2023 und für die italienische Ernährungsleitlinie 2026, Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2024
Auf einen Blick
Stimmt
- Verboten ist nichts
- Brot gehört dazu, am besten Vollkorn
- In PREDIMED wurde weder Kalorienzählen noch Sport verordnet
Stimmt nicht
- Die Mittelmeerdiät ist eine Diät zum Abnehmen
- Ein Glas Rotwein am Tag gehört für die Gesundheit dazu
- Dass sie vor Demenz schützt, ist bewiesen
Fakten
- PREDIMED mit 7.447 Teilnehmern von 55 bis 80, im Mittel 4,8 Jahre
- Women’s Health Study mit 25.315 Frauen, fast 25 Jahre
- Selbsttest mit 13 Fragen aus der PREDIMED-Studie
Was ist die Mittelmeerdiät?
Das Wort führt ein bisschen in die Irre. Mit Abnehmen, Kalorienzählen oder Verboten hat die Mittelmeerdiät nichts zu tun. Gemeint ist die Art, wie man rund ums Mittelmeer traditionell isst, und wie die Forschung sie seit Ende der 1950er-Jahre untersucht. Wie das auf dem Teller aussieht, mit Rezepten und Einkaufsliste, steht auf der Seite Mediterrane Küche.
In PREDIMED sah das ganz praktisch aus. Die eine Gruppe bekam für ihren Haushalt jede Woche einen Liter extra natives Olivenöl, die andere 30 Gramm Nüsse am Tag, dazu Beratung zum Mittelmeer-Muster. Die Vergleichsgruppe sollte fettarm essen. Kalorien wurden in keiner Gruppe vorgegeben, ein Sportprogramm gab es auch nicht.
Was bewirkt die Mittelmeerdiät?
Am besten belegt ist der Schutz von Herz und Gefäßen. Die Zahlen kommen aus großen Studien, aber aus zwei verschiedenen Arten von Studien. In kontrollierten Studien wird die Ernährung per Los verteilt, dort lässt sich Ursache und Wirkung prüfen. In Beobachtungsstudien wird nur verglichen, wie Menschen ohnehin essen.
| Studie | Wer | Wie lange | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| PREDIMED, Spanien, kontrolliert | 7.447 Menschen von 55 bis 80 (Frauen ab 60) mit hohem Risiko, aber ohne Herzkrankheit | im Mittel 4,8 Jahre | rund 30 % weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztode als unter fettarmer Kost, vor allem weniger Schlaganfälle. Bei der Sterblichkeit insgesamt kein Unterschied |
| 40 Studien zu sieben Ernährungsprogrammen, BMJ 2023, davon 12 zur Mittelmeerkost | 35.548 Menschen, gut die Hälfte schon herzkrank | im Mittel 3 Jahre | Mittelmeerkost: bei mittlerem Risiko 17 Todesfälle weniger je 1.000 Menschen über fünf Jahre, verglichen mit kaum Beratung. Der Vergleich mit fettarmen Programmen ist sehr unsicher |
| Women’s Health Study, USA, Beobachtung | 25.315 Frauen, bei Beginn gesund, im Schnitt 55 | fast 25 Jahre | Frauen mit der höchsten gegen die mit der niedrigsten Übereinstimmung: 23 % seltener gestorben. Rechnet man Rauchen, Bewegung, Alkohol und Wechseljahre heraus, bleiben 11 % |
| 54 Beobachtungsstudien, 2026 | 1,8 Millionen Menschen | 2 bis 60 Jahre | je Punkt auf der Mittelmeer-Skala 4 % niedrigeres Sterberisiko |
PREDIMED und die Women’s Health Study begleiteten Menschen, die bei Beginn keine Herzkrankheit hatten. In PREDIMED hatte aber etwa die Hälfte Typ-2-Diabetes, viele nahmen Blutdruckmittel. In der Women’s Health Study geht es ums Gesundbleiben.
Zu PREDIMED gehört eine Fußnote. Die erste Auswertung von 2013 wurde zurückgezogen, weil an einzelnen Studienorten Teilnehmer ohne Losverfahren einer Gruppe zugeteilt worden waren. Die Forscher haben neu gerechnet. Das Ergebnis von 2018, das hier steht, hielt auch ohne die 1.588 fraglichen Teilnehmer. Das Cochrane-Review von 2019 schaut trotzdem zurückhaltend auf die harten Endpunkte: Weniger Schlaganfälle gelten als mäßig sicher belegt, weniger Todesfälle insgesamt zeigt PREDIMED nicht.
Was darf man bei der Mittelmeerdiät nicht essen?
Verboten ist nichts. Es gibt nur Dinge, die seltener auf den Tisch kommen. In PREDIMED sollten die Mittelmeer-Gruppen Butter, Sahne, Fast Food, Süßigkeiten, Gebäck und gezuckerte Getränke meiden und insgesamt weniger Fleisch essen, lieber Geflügel als rotes Fleisch oder Wurst.
| Öfter | Seltener |
|---|---|
| Olivenöl als wichtigstes Fett | Butter, Margarine, Sahne |
| Gemüse, jeden Tag mindestens zwei Portionen | rotes Fleisch, Hackfleisch, Wurst und Schinken |
| Obst, drei Stück am Tag | Limonade und andere süße Getränke |
| Hülsenfrüchte, dreimal pro Woche | gekauftes Gebäck, Kuchen und Kekse |
| Fisch, dreimal pro Woche | Fast Food |
| Nüsse, dreimal pro Woche eine Handvoll | |
| Geflügel statt Schwein oder Rind |
Die Mengen links stammen aus dem Fragebogen, mit dem die PREDIMED-Forscher gemessen haben, wie mediterran jemand isst. Er steht unten als Selbsttest.
Was isst man bei der Mittelmeerdiät zum Frühstück?
Das, was am Mittelmeer auch morgens auf dem Tisch steht, und das ist meist schlicht. In Spanien röstet man Brot, reibt eine halbe Tomate darüber und träufelt Olivenöl drauf. In Griechenland gibt es Joghurt mit Honig und Nüssen. Dazu Obst, mal ein Ei, ein Stück Käse. Seltener sind Wurst, süße Aufstriche und das Croissant vom Bäcker.
Drei Beispiele für einen ganz normalen Morgen:
- Vollkornbrot mit Tomate, Olivenöl und etwas Feta
- Naturjoghurt mit Obst der Saison und einer Handvoll Walnüssen
- Haferflocken mit geriebenem Apfel, Mandeln und Zimt
Darf man bei der Mittelmeerdiät Brot essen?
Ja. Brot gehört fest dazu, genauso wie Nudeln, Reis, Couscous und Bulgur. Die Mittelmeer-Pyramide von 2011 nennt Getreide zu jeder Hauptmahlzeit, ein bis zwei Portionen, am besten aus Vollkorn, weil beim Ausmahlen Ballaststoffe und Mineralstoffe verloren gehen. Weißbrot ist trotzdem nicht verboten. Und das Brot bekommt eher Olivenöl als Butter.
Wie sieht ein Tag mit der Mittelmeerdiät aus?
Einen festen Ernährungsplan gibt es nicht, und in PREDIMED gab es auch keinen. Ein Tag, der die Punkte aus dem Fragebogen ziemlich gut trifft, sieht etwa so aus:
- Morgens: Joghurt mit Beeren und Walnüssen, dazu ein Stück Vollkornbrot
- Mittags: Linsensuppe mit Möhren und Sellerie, ein Schuss Olivenöl obendrauf
- Nachmittags: ein Apfel und eine Handvoll Mandeln
- Abends: Fisch aus dem Ofen mit Tomaten, Zucchini und Kartoffeln, dazu ein grüner Salat mit Olivenöl und Zitrone
Damit sind Gemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, Fisch und Olivenöl an einem Tag dabei. Rezepte für Tomatensugo, Hummus, Ofengemüse und Fisch stehen auf der Seite Mediterrane Küche.
Wirkt die Mittelmeerdiät entzündungshemmend?
Ein wenig, soweit man das im Blut messen kann. Eine Auswertung von 17 kontrollierten Studien mit zusammen 2.300 Teilnehmern fand, dass die Entzündungswerte CRP und Interleukin-6 unter Mittelmeerkost stärker sanken als in den Vergleichsgruppen. Eine neuere Auswertung kontrollierter Studien zu mehreren Ernährungsformen fand für die Mittelmeerkost wieder eine Senkung von Interleukin-6, beim CRP knapp keinen gesicherten Unterschied. Die einzelnen Studien kommen dabei zu sehr verschiedenen Ergebnissen. In der Women’s Health Study erklärten Entzündungswerte einen Teil des Zusammenhangs mit dem Herzen.
Schützt die Mittelmeerdiät das Gedächtnis?
Das ist offen. In der britischen UK Biobank wurden gut 60.000 Menschen ab 60 rund neun Jahre begleitet. Das Drittel, das am mediterransten aß, hatte ein um 23 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als das Drittel am anderen Ende. Das ist Beobachtung. Mit einem zweiten Punktesystem war der Unterschied kleiner und nicht gesichert. Eine kontrollierte Studie aus den USA, die MIND-Studie mit 604 Menschen ab 65, fand nach drei Jahren keinen Unterschied beim Denken und Gedächtnis. Beide Gruppen aßen etwas weniger Kalorien und schnitten am Ende leicht besser ab. Die Studie prüfte allerdings eine Mischung aus Mittelmeerkost und einer amerikanischen Blutdruck-Diät.
Gehört ein Glas Wein dazu?
In der klassischen Beschreibung ja, in Maßen und zum Essen. In PREDIMED wurde Rotwein aber nur denen empfohlen, die ohnehin Alkohol tranken. Heute sieht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung keine Alkoholmenge, die gesundheitsfördernd und sicher ist. Mehr als fünf kleine Gläser Wein pro Woche stuft sie als riskant ein. Die Weltgesundheitsorganisation sagt dasselbe: Eine sichere Menge lässt sich nicht festlegen. Deshalb fehlt im Selbsttest unten die Frage nach dem Wein, die im Original steht.
Wie mediterran isst du? Der Selbsttest
Mit 13 Fragen aus dem Fragebogen der spanischen PREDIMED-Studie. Wir haben ihn übersetzt und die Weinfrage weggelassen. Für jede Gewohnheit, die zum Mittelmeer-Muster passt, gibt es einen Punkt. Am Ende siehst du, welche Punkte du hast und welche nicht.
Selbsttest
13 Fragen zu einer normalen Woche. Eine Portion Gemüse sind 200 Gramm, eine Portion Hülsenfrüchte 150 Gramm gekocht, eine Portion Fisch 100 bis 150 Gramm, eine Portion Nüsse 30 Gramm, ein Esslöffel Olivenöl etwa 13 Gramm.
Ergebnis
Diese Punkte hast du:
Diese Punkte fehlen:
Im Original hat der Fragebogen 14 Fragen. Die Frage nach sieben oder mehr Gläsern Wein pro Woche haben wir weggelassen, weil die Deutsche Gesellschaft für Ernährung keine Alkoholmenge für gesundheitsfördernd hält.
Fragebogen aus der PREDIMED-Studie, Martínez-González und Kollegen, 2012, übersetzt und um die Weinfrage gekürzt. Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung.Häufige Fragen
Was darf man bei der Mittelmeerdiät nicht essen?
Verboten ist nichts. Seltener auf den Tisch kommen rotes Fleisch und Wurst, Butter und Sahne, gekauftes Gebäck, Süßigkeiten und gezuckerte Getränke. In der PREDIMED-Studie gab es dafür keine Kalorienvorgabe, nur den Rat, mehr Olivenöl, Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch und Nüsse zu essen.
Kann man mit der Mittelmeerdiät abnehmen?
Dafür ist sie nicht gedacht. In PREDIMED wurden weder Kalorien begrenzt noch Sport verordnet. Im Fragebogen der Studie hatten Menschen mit vielen Mittelmeer-Punkten seltener viel Bauchfett. Das ist ein Zusammenhang aus einer einzigen Messung, kein Abnehm-Ergebnis.
Was isst man bei der Mittelmeerdiät zum Frühstück?
Meist etwas Schlichtes: Vollkornbrot mit Tomate und Olivenöl, Joghurt mit Obst und Nüssen, Haferflocken mit Apfel, mal ein Ei oder ein Stück Käse. Seltener sind Wurst, süße Aufstriche und süßes Gebäck.
Darf man bei der Mittelmeerdiät Brot essen?
Ja. Getreide gehört zu jeder Hauptmahlzeit, ein bis zwei Portionen, am besten aus Vollkorn. Auch Nudeln, Reis, Couscous und Bulgur zählen dazu.
Ist die Mittelmeerdiät dasselbe wie mediterrane Küche?
Auf dem Teller liegt dasselbe. „Mediterrane Küche“ meint das Kochen und den Genuss, „Mittelmeerdiät“ ist das Wort der Forschung für dieses Essmuster und seine Wirkung auf die Gesundheit.
Zuletzt geprüft am 29.09.2026
Gründer von gen50
Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.
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