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Ehrenamt im Ruhestand: was zu dir passt

37,6 Prozent der 50- bis 64-Jährigen engagieren sich freiwillig, bei den 65- bis 74-Jährigen sind es 36,9 Prozent. So steht es im Deutschen Freiwilligensurvey 2024, für den gut 27.500 Menschen befragt wurden. Welches Ehrenamt passt, entscheidet vor allem deine Woche: ob du lieber mit Menschen redest oder den Akkuschrauber in der Hand hast, jeden Dienstag kommst oder einmal im Jahr beim Stadtfest mit anpackst.

Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: Deutscher Freiwilligensurvey 2024, Einkommensteuergesetz, Sozialgesetzbuch VII, Broschüre der Deutschen Rentenversicherung zum Ehrenamt

Auf einen Blick

Stimmt

  • Die meisten kommen über Freunde oder Bekannte zu ihrem Ehrenamt
  • Mehr als die Hälfte der Engagierten gibt höchstens zwei Stunden in der Woche
  • Wer Altersrente bezieht, darf unbegrenzt dazuverdienen

Stimmt nicht

  • Wer Altersrente bezieht, muss das Ehrenamt der Rentenversicherung melden
  • Jedes Ehrenamt ist automatisch versichert

Fakten

  • bis 3.300 Euro im Jahr steuerfrei für Übungsleiter und ähnliche Aufgaben
  • bis 960 Euro im Jahr für andere Ehrenämter
  • im Schnitt 4,4 Stunden in der Woche

Test

Welches Ehrenamt passt zu dir?

Sechs Fragen zu deiner Woche und zu dem, was dir Spaß macht. Am Ende stehen zwei oder drei Bereiche, in denen Menschen sich engagieren, mit Beispielen.

Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine Steuerberatung.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten gibt es?

Der Freiwilligensurvey unterscheidet 14 Bereiche. Am häufigsten engagieren sich die Menschen in Deutschland im Sport, 12,8 Prozent aller Befragten ab 14. Danach kommen der soziale Bereich, Kultur und Musik, Schule und Kindergarten und die Kirche. Zwischen 65 und 74 liegt der soziale Bereich vorn: 10,6 Prozent sind dort aktiv, bei den Frauen 12,9 Prozent.

Bereiche und wie ein Ehrenamt dort aussehen kann
BereichWie das aussehen kann
Sport und BewegungKasse im Sportverein, Wandergruppe führen, Gymnastikstunde leiten
Sozialer BereichBesuchsdienst, Ausgabe bei der Tafel, Begleitung zum Amt oder zum Einkauf
Kultur und MusikVorstand im Chor, Führungen im Heimatmuseum, Bühnenbau im Theaterverein
Schule und KindergartenLesestunde, Hausaufgabenhilfe, Förderverein
Kirche und ReligionGemeindecafé, Besuchskreis, Gemeindefest
Freizeit und GeselligkeitFahrten im Heimatverein planen, Kleingartenverein, Spieleabend im Stadtteil
Natur, Umwelt und TiereGassigehen fürs Tierheim, Streuobstwiese, Reparaturtreff
Bildung für Jugendliche und ErwachseneBewerbungstraining, Handykurs im Stadtteil, Handwerk weitergeben
GesundheitBesuchsdienst im Krankenhaus, Begleitung im Hospiz
Rettung und KatastrophenschutzVerpflegung, Lager und Technik im Hintergrund
Politik und InteressenOrtsbeirat, Bürgerinitiative, Mieterbeirat

Die Beispiele sind Beispiele. Was es vor Ort gibt, hängt am Verein, an der Gemeinde und an der Kirchengemeinde um die Ecke.

Wie viel Zeit braucht ein Ehrenamt?

Weniger, als viele denken. Im Schnitt geben Engagierte 4,4 Stunden in der Woche für ihre Hauptaufgabe. Mehr als die Hälfte, 53 Prozent, kommt mit höchstens zwei Stunden aus. 24 Prozent geben drei bis fünf Stunden, 19 Prozent sechs und mehr. Fast die Hälfte ist mindestens einmal pro Woche dabei, die anderen seltener, etwa beim Frühjahrsputz am Bach oder beim Adventsmarkt.

Diese Zahlen gelten für alle Altersgruppen zusammen. Wer später im Leben dabei ist, gibt laut Survey eher mehr Zeit als weniger.

Wie finde ich ein Ehrenamt in meiner Nähe?

Meistens über Menschen. 48 Prozent der Engagierten sagen, dass Freunde oder Bekannte sie angesprochen haben, die schon dabei waren. Genauso oft kam der Anstoß von jemandem, der in der Gruppe oder im Verein Verantwortung trägt. Übers Internet oder die Zeitung kamen 11 Prozent dazu.

Wer lieber erst schauen will, was es gibt, geht zur Freiwilligenagentur. Die gibt es in vielen Städten und Kreisen, der Bundesverband der Freiwilligenagenturen verzeichnet über 400. Dort sitzt jemand mit einer Liste von Vereinen und Einrichtungen, die gerade Leute suchen, und fragt dich, was du gern machst. Das Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

Und manchmal genügt der Aushang im Gemeindehaus. Oder die Frage an der Kaffeetafel nach dem Konzert, wer eigentlich die Stühle stellt.

Wie läuft der Anfang in einem Ehrenamt?

Meist mit einem Probetermin. Du gehst einmal mit, schaust dir die Ausgabe bei der Tafel an oder läufst eine Runde mit den Hunden aus dem Tierheim, bevor du dich festlegst. Viele Vereine und Einrichtungen kennen das und rechnen damit, dass nicht jeder bleibt.

Was vorher geklärt ist, macht es leichter. Wie viele Stunden im Monat es sein sollen. Ob es feste Tage gibt oder einen Dienstplan, in den man sich einträgt. Wer die Ansprechperson ist, wenn mal etwas nicht passt. Und ob es eine Einarbeitung gibt, etwa für den Besuchsdienst im Krankenhaus oder die Begleitung im Hospiz, wo das üblich ist.

Ein Ehrenamt muss auch nicht für immer sein. Manche machen ein Jahr Lesestunde in der Grundschule und wechseln dann zur Streuobstwiese, weil der Sommer draußen lockt. Beides zählt.

Wie viel Aufwandsentschädigung ist steuerfrei?

Zwei Beträge im Einkommensteuergesetz regeln das, beide gelten nur für Arbeit für einen gemeinnützigen Verein, eine Kirche oder eine öffentliche Stelle.

Steuerfreie Beträge im Ehrenamt
WasFür wenSteuerfrei im Jahrim Monat gerechnet
ÜbungsleiterfreibetragÜbungsleiter, Ausbilder, Betreuer, künstlerische Arbeit, Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen3.300 Euro275 Euro
Ehrenamtspauschaleandere Ehrenämter, etwa Vorstand, Kasse, Platzwart960 Euro80 Euro

Beide Beträge lassen sich nebeneinander nutzen, wenn es zwei verschiedene Aufgaben sind. Die Deutsche Rentenversicherung nennt als Beispiel jemanden, der Trainer ist und zugleich die Vereinskasse führt. Für dieselbe Aufgabe gibt es nur einen der beiden. Bis zu diesen Grenzen fallen auch keine Sozialabgaben an.

Muss ich ein Ehrenamt der Rentenversicherung melden?

Bei einer Altersrente nicht. Seit dem 1. Januar 2023 darf man neben der Altersrente unbegrenzt dazuverdienen, auch wenn man sie vorzeitig bezieht. Laut Deutscher Rentenversicherung muss man seitdem weder eine neue Tätigkeit noch eine Änderung beim Verdienst melden.

Anders ist es bei zwei Renten. Bei einer Erwerbsminderungsrente gibt es Grenzen für den Hinzuverdienst und eine Pflicht, ihn zu melden. Bei einer Witwen- oder Witwerrente wird Einkommen angerechnet. Die steuerfreien Beträge aus dem Ehrenamt zählen dort aber nicht als Einkommen.

Bin ich im Ehrenamt versichert?

Oft, aber nicht immer. Gesetzlich unfallversichert ist, wer ehrenamtlich im Gesundheitswesen oder in der Wohlfahrtspflege arbeitet, für die Gemeinde, für eine Kirche, im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder im Katastrophenschutz. Gewählte Ehrenamtliche in gemeinnützigen Vereinen, etwa im Vorstand, können sich freiwillig versichern. Den Antrag darf auch der Verein stellen.

Für alle anderen haben mehrere Bundesländer Sammelverträge für Unfall und Haftpflicht abgeschlossen, zum Beispiel Berlin und Nordrhein-Westfalen. Anmelden muss man sich dafür nicht. Die Verträge zahlen aber nur, wenn keine andere Versicherung einspringt. Wie es bei deiner Aufgabe aussieht, weiß der Verein.

Häufige Fragen

Wie viel Aufwandsentschädigung gibt es pro Stunde?

Einen festen Stundensatz gibt es nicht, jeder Verein legt seine Entschädigung selbst fest. Steuerfrei bleiben im Jahr bis 3.300 Euro für Übungsleiter und ähnliche Aufgaben und bis 960 Euro für andere Ehrenämter, gerechnet also 275 und 80 Euro im Monat.

Kann ich Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale zusammen bekommen?

Ja, wenn es zwei verschiedene Aufgaben sind, etwa Trainerin in der Gymnastikgruppe und Kassenwartin im selben Verein. Für ein und dieselbe Aufgabe gilt nur einer der beiden Beträge.

Wird die Aufwandsentschädigung auf die Witwenrente angerechnet?

Die steuerfreien Beträge nicht. Bei der Witwen- und Witwerrente zählen sie nicht als Einkommen, so steht es in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung zum Ehrenamt.

Kann ich ein Ehrenamt auch nur ab und zu machen?

Ja. Gut die Hälfte der Engagierten ist mindestens einmal pro Woche dabei, die übrigen seltener. Viele Aufgaben hängen an einzelnen Terminen: der Pflanztag im Frühjahr, das Sommerfest, die Sammlung im Advent.

Wie viele Menschen mit 60 engagieren sich ehrenamtlich?

Zwischen 50 und 64 sind es 37,6 Prozent, zwischen 65 und 74 sind es 36,9 Prozent, Stand 2024. Das liegt nah an den Jüngeren: Zwischen 30 und 49 engagieren sich 40,4 Prozent.

Zuletzt geprüft am 25.09.2026

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Sven Schultz, Gründer von gen50

Gründer von gen50

Sven Schultz

Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.

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