Zeit für mich
Gesichtspflege ab 50: Was braucht reife Haut, und was ist Werbung?
Reife Haut braucht drei Dinge, und für alle drei gibt es gute Studien: Sonnenschutz, eine Creme gegen Trockenheit und, wenn du etwas gegen Fältchen tun willst, einen Wirkstoff aus der Vitamin-A-Familie. Viele andere Versprechen auf dem Tiegel sind schwach belegt. Kollagen aus der Creme zum Beispiel kommt gar nicht erst in die Haut.
Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am
Auf einen Blick
Stimmt
- Mit den Wechseljahren wird die Haut trockener und dünner
Stimmt nicht
- Kollagen aus der Creme wird zu eigenem Kollagen
- 60 Prozent trockene Haut
- in einer Studie mit 5.547 Menschen, im Mittel 70 Jahre alt
- Nach viereinhalb Jahren täglicher Sonnencreme
- war keine Zunahme der Hautalterung messbar
Was verändert sich an der Haut ab 50?
Sie wird trockener, dünner und weniger straff. Eine Übersichtsarbeit zu Haut und Haar in den Wechseljahren zählt Trockenheit, Juckreiz, dünner werdende Haut und Falten zu den typischen Folgen, wenn das Östrogen sinkt. Eine zweite Übersicht nennt den Östrogenmangel eine wichtige innere Ursache dafür, dass die Haut bei Frauen altert.
Trockene Haut ist in diesem Alter eher die Regel. In der großen Rotterdamer Bevölkerungsstudie haben dermatologisch geschulte Ärzte 5.547 Menschen untersucht, im Mittel 70 Jahre alt. 60 Prozent hatten trockene Haut, die meisten nur an Armen und Beinen, ein Fünftel davon am ganzen Körper. Frauen hatten sie häufiger als Männer.
Bei Falten und Flecken sieht es anders aus. Sie gehen vor allem auf äußere Einflüsse zurück, allen voran die Sonne. UV-A-Strahlung dringt bis in tiefe Hautschichten und verändert dort die elastischen Fasern, so beschreibt es die Gesundheitsleitlinie zur Vorbeugung von Hautkrebs.
Was hilft gegen trockene Haut im Gesicht?
Eine milde Reinigung und eine Creme, die Fett und Feuchtigkeit zusammenbringt. Die Berliner Charité hat in einer Übersichtsarbeit Studien zur Hautpflege bei älteren, oft pflegebedürftigen Menschen ausgewertet. Milde Waschsubstanzen, sogenannte Syndets, trockneten die Haut weniger aus als Seife. Cremes mit Fettanteil und Feuchthaltern wie Glycerin oder Harnstoff linderten Trockenheit und Juckreiz. Produkte mit einem leicht sauren pH-Wert stärkten die Schutzschicht der Haut.
Wer täglich eine Gesichtscreme benutzte, hatte in der Rotterdamer Studie seltener trockene Haut an Armen und Beinen. Ein Zusammenhang, kein Beweis.
Im Alltag heißt das: lauwarmes Wasser statt heißem, eine Reinigung ohne Seife und die Creme auf die noch leicht feuchte Haut.
Warum gehört Sonnenschutz zur Gesichtspflege?
Weil er die Hautalterung nachweislich bremst. In einer australischen Studie wurden 903 Erwachsene per Los eingeteilt: Die einen cremten sich jeden Tag ein, die anderen nach Gefühl. Nach viereinhalb Jahren war bei täglicher Sonnencreme keine Zunahme der Hautalterung messbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Haut stärker gealtert war, lag um knapp ein Viertel niedriger als in der Vergleichsgruppe. Gemessen wurde am Handrücken. Die Teilnehmer waren im Mittel 39 und lebten in einer sehr sonnigen Gegend. Die Richtung passt trotzdem zu dem, was über Falten bekannt ist.
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Schutz ab einem UV-Index von 3, auf freier Haut Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 gegen UV-A und UV-B. In Deutschland erreicht der UV-Index im Sommer 8 bis 9. Die Gesundheitsleitlinie rät, die Creme dick und gleichmäßig aufzutragen.
Was bringen Retinol und andere Vitamin-A-Wirkstoffe?
Sie sind die am besten untersuchten Wirkstoffe gegen Fältchen. Am gründlichsten erforscht ist Vitamin-A-Säure, Fachname Tretinoin, die es in Deutschland nur auf Rezept gibt. Eine Übersicht von 2024 nennt Tretinoin den Maßstab gegen Hautalterung durch Sonne. Sie hält aber auch fest, dass viele die Creme wegen Rötung und Schuppen schlecht vertragen.
Retinol aus frei verkäuflichen Cremes ist schwächer, und seine Wirkung ist umstritten. Eine Auswertung von 23 Studien zu verschiedenen Wirkstoffen fand 2025, dass Retinol feine Fältchen glättet. Vier der Autoren arbeiten für ein Unternehmen, und die Auswertung nennt selbst möglichen Einfluss von Herstellern. Eine kritische Übersicht von 2021 hielt die Retinol-Studien dagegen für methodisch schwach. Seit November 2025 dürfen neu in den Handel gebrachte Gesichtscremes in der EU höchstens 0,3 Prozent Retinol enthalten. Ab Mai 2027 gilt das für alles im Regal.
Die übliche Anleitung für den Anfang: abends eine erbsengroße Menge, erst jeden zweiten oder dritten Abend, morgens Sonnenschutz.
Welche Versprechen sind Werbung?
Am deutlichsten die rund ums Kollagen. Kollagen ist ein großes Eiweiß, rund 300.000 Dalton schwer. Nach einer bekannten Faustregel der Dermatologie passieren Stoffe die äußere Hornschicht nur bis etwa 500 Dalton. Kollagen aus dem Tiegel bleibt also auf der Haut. Dort hält es etwas Feuchtigkeit, eigenes Kollagen wird daraus nicht.
Kollagen zum Trinken hat eine eigene Geschichte. Eine große Auswertung von 2025 fand eine Wirkung auf Feuchtigkeit, Spannkraft und Falten. Allerdings nur in den Studien, die von Herstellern bezahlt waren. Studien ohne Herstellergeld zeigten keinen Effekt, die hochwertigen Studien auch nicht.
Und die Antifaltencreme? Die Stiftung Warentest ließ 270 Frauen vier Wochen lang eine von neun Antifaltencremes auf eine Gesichtshälfte auftragen und eine gute Feuchtigkeitscreme auf die andere. Bei keiner war mit bloßem Auge eine Verbesserung zu sehen, alle neun bekamen im wichtigsten Prüfpunkt ein „mangelhaft“. Der Test ist von Ende 2015, und vier Wochen sind kurz.
| Pflege | Was Studien zeigen | Wie gut belegt |
|---|---|---|
| Sonnenschutz jeden Tag | in viereinhalb Jahren keine messbare Zunahme der Hautalterung, gemessen am Handrücken | gut: große Studie und amtliche Empfehlung |
| Creme gegen Trockenheit | weniger Trockenheit und Juckreiz | gut für Trockenheit, zu Falten keine Aussage |
| Tretinoin, auf Rezept | glättet feine Falten, hellt Flecken auf | gut, reizt oft |
| Retinol, frei verkäuflich | feine Fältchen etwas glatter | umstritten |
| Kollagen in der Creme | kommt nicht durch die Hornschicht | keine Wirkung auf eigenes Kollagen |
| Kollagen zum Trinken | Wirkung nur in Studien mit Herstellergeld | nicht belegt |
| Antifaltencreme | im Test nicht sichtbar besser als Feuchtigkeitscreme | nicht belegt |
Wie sieht eine einfache Pflege aus?
Mit vier Dingen ist das meiste abgedeckt: ein milder Reiniger, eine Feuchtigkeitscreme, Sonnenschutz und, wenn du willst, Retinol für den Abend.
| Wann | Was du tust | Wozu |
|---|---|---|
| Morgens | mit lauwarmem Wasser oder mildem Reiniger waschen | trocknet weniger aus |
| Morgens | Feuchtigkeitscreme | gegen Trockenheit |
| Morgens | Sonnenschutz mit mindestens Lichtschutzfaktor 30, ab UV-Index 3 | bremst Falten und Flecken |
| Abends | Sonnencreme und Make-up mild abwaschen | Haut frei für die Nacht |
| Abends | Retinol, wenn gewünscht, anfangs jeden zweiten oder dritten Abend | gegen feine Fältchen |
| Abends | reichhaltigere Creme | gegen Trockenheit über Nacht |
Gehört die Hautkrebs-Früherkennung dazu?
Zur Pflege gehört sie nicht, zum genauen Blick in den Spiegel schon. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 jedes zweite Jahr Anspruch auf eine Untersuchung der ganzen Haut zur Früherkennung von Hautkrebs. So steht es in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Gesundheitsleitlinie zur Vorbeugung von Hautkrebs sagt dazu offen, dass die bisherigen Studien Nutzen und Schaden dieser Untersuchung nicht ausreichend belegen. Ob du hingehst, entscheidest du selbst. Die Leitlinie sieht vor, dass die Praxis dich vorher über Nutzen und mögliche Folgen informiert.
Helfen Hormone gegen Hautalterung?
Für die Haut allein werden sie nicht empfohlen. Eine Übersichtsarbeit zu den Wechseljahren hält fest, dass eine Hormontherapie wegen des Verhältnisses von Nutzen und Risiken nicht nur wegen Haut- und Haarbeschwerden begonnen wird. Eine zweite Übersicht von 2025 kommt zum selben Schluss: Die Leitlinien sehen keine Hormontherapie nur für die Haut vor, weil gute Studien dazu fehlen. Wer aus anderen Gründen Hormone nimmt, kann in der Frauenarztpraxis fragen, was das für die Haut bedeutet.
Häufige Fragen
Welche Gesichtspflege ist die beste ab 50?
Die, die du jeden Tag benutzt: morgens Feuchtigkeit und Sonnenschutz, abends eine reichhaltigere Creme, dazu Retinol, wenn du magst. Teuer heißt dabei nicht besser. Im Test der Stiftung Warentest war keine von neun Antifaltencremes sichtbar besser als eine gute Feuchtigkeitscreme, auch die teuren nicht.
Was braucht reife Haut?
Schutz vor der Sonne, Fett und Feuchtigkeit gegen Trockenheit und eine milde Reinigung ohne Seife. Für Fältchen ist Vitamin A am besten untersucht, am gründlichsten als Tretinoin auf Rezept. Mit den Wechseljahren wird die Haut trockener und dünner, darauf ist diese Pflege abgestimmt.
Wie fange ich mit Retinol an?
Abends, mit einer erbsengroßen Menge für das ganze Gesicht, anfangs nur jeden zweiten oder dritten Abend. Rötung und leichte Schuppen kommen am Anfang vor. Morgens gehört Sonnenschutz dazu. Die Studien zu frei verkäuflichem Retinol sind uneinheitlich, besser belegt ist Tretinoin auf Rezept.
Hilft Kollagen gegen Falten?
Als Creme nicht, weil das Kollagen zu groß ist, um in die Haut zu kommen. Zum Trinken fand eine große Auswertung von 2025 eine Wirkung nur in den Studien, die Hersteller bezahlt hatten. Ohne Herstellergeld zeigte sich kein Effekt.
Brauchen Männer ab 50 eine andere Gesichtspflege?
Die Grundregeln sind dieselben: Sonnenschutz, eine Creme gegen Trockenheit und Retinol, wenn gewünscht. In der Rotterdamer Studie hatten Männer seltener trockene Haut als Frauen. Nach der Rasur reicht oft die normale Feuchtigkeitscreme.
Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung.
Zuletzt geprüft am 29.09.2026
Gründer von gen50
Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.
Schreib mir