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Kfz-Versicherung ab 60 und 70: Wann steigt der Beitrag?
Mit 60 zahlst du im Schnitt noch wenig für die Kfz-Versicherung, aber der Rabatt für das Alter wird kleiner. Die Finanzaufsicht stellte bei ihrer Marktuntersuchung 2021 fest: Die 63- bis 67-Jährigen zahlen im Durchschnitt die niedrigsten Beiträge aller Altersgruppen. Zuschläge auf das Alter ergeben sich in der Branchenstatistik erst ab 68. Einzelne Versicherer rechnen anders: Stiftung Warentest fand 2026, dass die Beiträge oft schon ab 55 wegen des Alters steigen. Und selbst dann steht das Alter nur neben einem guten Dutzend anderer Merkmale, die den Beitrag viel stärker bewegen.
Von Sven Schultz Zuletzt geprüft am Grundlage: Marktuntersuchung der Finanzaufsicht, Statistik der Versicherungswirtschaft, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Versicherungsvertragsgesetz, Kraftfahrzeugsteuergesetz
Auf einen Blick
Stimmt
- Das Alter ist ein Tarifmerkmal wie Wohnort und Fahrleistung
- Bis einschließlich 67 wirkt es sich mindernd aus
- Bei einer Beitragserhöhung darfst du binnen eines Monats kündigen
Stimmt nicht
- Ab 60 wird es automatisch teurer
- Ab einem bestimmten Alter ist die Versicherung kostenlos
- Wenig fahren senkt den Beitrag von allein
- Zuschläge auf das Alter
- erst ab 68
- Sonderkündigungsrecht
- ein Monat nach Zugang der Mitteilung
- Kündigungsfrist im Normalfall
- ein Monat zum Ende der Versicherungsperiode
- Für die meisten Verträge
- der 30. November
Ab welchem Alter wird die Kfz-Versicherung teurer?
Nach der Statistik der Versicherungswirtschaft ab 68. Für Fahrerinnen und Fahrer von 23 bis 67 Jahren rechnet die Branche mit einem Abschlag auf den durchschnittlichen Schadenbedarf, erst darüber kehrt sich das Vorzeichen um. Diese Zahlen werden jedes Jahr neu gerechnet, auf einer Datenbasis von rund 100 Millionen Verträgen und den Schäden der letzten drei Jahre.
Dass einzelne Anbieter schon früher etwas aufschlagen, hört man immer wieder. Belegen lässt sich das nicht — es ist Marktbeobachtung, keine Regel. Was sich belegen lässt, ist das Gegenteil des Gerüchts: Viele Unternehmen schöpfen das rechnerisch zulässige Zuschlagspotenzial gar nicht aus.
Wie hoch ist der Alterszuschlag?
Es gibt keinen Betrag, der für alle gilt. Das Alter ist kein Aufschlag, der am Ende auf die Rechnung kommt, sondern ein eigenes Tarifmerkmal — in der Branchenstatistik in 18 Altersklassen, von „bis 18“ bis „85 und älter“. Jede Klasse hat ihren eigenen Faktor, und jeder Versicherer entscheidet selbst, ob und wie stark er ihn nutzt.
Maßgeblich ist dabei nicht dein Geburtstag, sondern das sogenannte Nutzeralter. Es entspricht im Regelfall dem Alter der Person, die den Vertrag hält. Steht ein Fahrer unter 25 mit im Vertrag, zählt in der Regel der jüngste Fahrer. Ein 50-Jähriger, der den Enkel mitversichert, wird also nach dessen Alter eingestuft.
| Merkmal | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Schadenfreiheitsklasse | Jedes unfallfreie Jahr rückt dich eine Stufe weiter |
| Typklasse | Wie oft und wie teuer dein Fahrzeugmodell Schäden verursacht |
| Regionalklasse | Die Schadenbilanz im Zulassungsbezirk |
| Jahresfahrleistung | Die Kilometer, die du im Vertrag angibst |
| Nutzeralter | 18 Altersklassen, bis 67 mindernd |
| Berufsgruppe | Angestellt, selbstständig, im Ruhestand |
| Fahrerkreis | Wer außer dir fahren darf |
Unter der Tabelle wird der Punkt sichtbar, um den es geht: Das Alter steht in einer Reihe mit sechs anderen Merkmalen. Wer in einem Tarifrechner nur am Alter dreht und Schadenfreiheitsklasse und Kilometer stehen lässt, bekommt ein Bild, das mit der tatsächlichen Prämie wenig zu tun hat. Genau davor warnt die Finanzaufsicht ausdrücklich.
Warum zahlen 63- bis 67-Jährige am wenigsten?
Weil zwei Dinge zusammenkommen. Das Alter wirkt in dieser Spanne noch mindernd, und die Schadenfreiheitsklasse ist nach Jahrzehnten ohne Unfall bei vielen so weit oben, wie sie überhaupt kommen kann. Dazu passt oft eine niedrigere Fahrleistung, sobald der tägliche Weg zur Arbeit wegfällt.
Die Finanzaufsicht hat dafür 2021 die Beitragsgestaltung von 40 Unternehmen und Versicherungsgruppen ausgewertet, dazu vier Niederlassungen ausländischer Versicherer — zusammen über 75 Prozent des deutschen Marktes. Ein Nebenbefund aus derselben Untersuchung: Über 82-Jährige zahlen im Schnitt etwa halb so viel wie 18-Jährige. In der Teilkasko wird der Tarif mit steigendem Alter sogar durchgehend günstiger.
Ein Missverständnis hält sich trotzdem hartnäckig: Wer weniger fährt, zahle automatisch weniger. Das gilt nur, wenn der Tarif die Kilometer überhaupt berücksichtigt. Sonst rechnet der Versicherer über Schadenhäufigkeit und Schadenbedarf der Altersklasse, nicht über deine persönliche Strecke.
Ist die Kfz-Versicherung ab 60 kostenlos?
Nein. Es gibt keine gesetzliche, verbandliche oder aufsichtsrechtliche Regel, nach der eine Kfz-Versicherung ab einem bestimmten Alter nichts kostet oder automatisch günstiger wird. Der Satz kursiert, eine belastbare Grundlage dafür haben wir nicht gefunden.
Was es tatsächlich gibt, ist zweierlei. Erstens die Sache mit den 63 bis 67: Aus „im Schnitt am günstigsten“ wird im Weitererzählen leicht „kostenlos“. Zweitens eine Befreiung, die es wirklich gibt — allerdings bei der Kfz-Steuer, nicht bei der Versicherung. Von der Steuer befreit ist das Halten eines Fahrzeugs für schwerbehinderte Menschen mit den Merkzeichen H, Bl oder aG. Bei orangefarbenem Flächenaufdruck im Ausweis ermäßigt sich die Steuer um 50 vom Hundert, wenn die unentgeltliche Beförderung im Nahverkehr nicht in Anspruch genommen wird. Das gilt für ein Fahrzeug, nur auf schriftlichen Antrag — und es hat mit dem Alter nichts zu tun.
Darf das Alter überhaupt den Beitrag beeinflussen?
Ja, unter einer Bedingung. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters im Versicherungsvertrag zulässig, wenn sie „auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation“ beruht, insbesondere auf einer versicherungsmathematisch ermittelten Risikobewertung unter Heranziehung statistischer Erhebungen. Die Finanzaufsicht hat genau das geprüft, samt Stichproben vor Ort. Ihr Ergebnis: Anhaltspunkte für Verstöße haben sich nicht ergeben.
Ein Detail am Rande, das die Systematik gut zeigt: Haftpflicht und Vollkasko kennen Zuschläge für jüngere Nutzer und für ältere Versicherungsnehmer. Die Teilkasko erhebt einen Zuschlag nur für die jungen.
Bis wann kann ich wechseln?
Bei einem Vertrag auf unbestimmte Zeit gilt: Gekündigt wird zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode, die Frist beträgt mindestens einen Monat und höchstens drei Monate und ist für beide Seiten gleich. In der Kfz-Versicherung läuft die Versicherungsperiode meist mit dem Kalenderjahr, die Frist beträgt üblicherweise einen Monat — daraus ergibt sich für die meisten Verträge der 30. November.
Im Gesetz steht dieses Datum nicht. Wer unterjährig abgeschlossen hat, etwa beim Autokauf im Mai, hat einen anderen Stichtag. Er steht im Versicherungsschein.
Was gilt, wenn der Beitrag erhöht wird?
Dann greift ein eigenes Kündigungsrecht. Erhöht der Versicherer die Prämie aufgrund einer Anpassungsklausel, ohne dass der Schutz entsprechend wächst, kann der Vertrag innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung mit sofortiger Wirkung gekündigt werden, frühestens zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Erhöhung. Dasselbe gilt umgekehrt, wenn der Versicherer den Umfang des Schutzes senkt, ohne die Prämie zu senken.
Zwei Pflichten hat der Versicherer dabei. Die Mitteilung muss spätestens einen Monat vor dem Wirksamwerden zugehen, und sie muss auf das Kündigungsrecht hinweisen. Der Brief mit der neuen Beitragsrechnung ist deshalb kein Papier für den Stapel „später“ — der Monat läuft ab Zugang.
Häufige Fragen
Wird die Kfz-Versicherung mit 70 teurer?
Nicht allein wegen der 70. In der Branchenstatistik beginnen Zuschläge auf das Alter im Mittel ab 68, und viele Versicherer nutzen den rechnerisch möglichen Spielraum nicht aus. Ob dein Beitrag steigt, hängt daneben an Schadenfreiheitsklasse, Fahrzeug, Wohnort und angegebener Fahrleistung.
Ab welchem Alter verlangen Versicherer einen Zuschlag?
Amtlich belegt ist nur der Wert aus der Branchenstatistik: Zuschläge ab 68. Dass einzelne Anbieter schon ab 60 oder 65 aufschlagen, ist Marktbeobachtung und keine allgemeine Regel.
Bringt es etwas, die jährliche Kilometerzahl nach unten zu korrigieren?
Sie wirkt nur, wenn der Tarif Kilometer berücksichtigt. Dann ist sie ein eigenes Tarifmerkmal und wird beim nächsten Vertragsjahr berücksichtigt. Die Angabe muss zur tatsächlichen Fahrleistung passen, der Versicherer darf den Kilometerstand abfragen.
Kann ich mitten im Jahr aus dem Vertrag heraus?
Regulär nicht. Es gibt aber das Sonderkündigungsrecht nach einer Beitragserhöhung, dafür hast du einen Monat ab Zugang der Mitteilung. Ein weiterer Anlass ist der Verkauf des Fahrzeugs.
Hinweis: Die Angaben dienen nur der allgemeinen Information. Sie sind kein Produkttest und ersetzen keine Versicherungsberatung.
Zuletzt geprüft am 24.09.2026
Gründer von gen50
Hi, ich bin Sven. Ich mache gen50 von der schönen Spree aus. Ich bin mittlerweile selbst auf dem Weg zur 50. Ich schreibe über alles, was mich interessiert: Reisen, guter Wein, Finanzen, mein Garten, KI und gesund bleiben. Viel Spaß beim Lesen. Wenn was ist, schreib mir.
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